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Pornografie im Netz

Pornografie ist in der heutigen Zeit längst kein Tabuthema mehr. Porno-Websites, Sexspielzeug und Co. sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und gehören beinahe zum täglichen Repertoire der Medien.

Laut einer Umfrage haben mehr als zwei Drittel der Deutschen bereits Erfahrungen mit Pornos. Beinahe jeder zweite Bundesbürger sieht sich zumindest gelegentlich Pornofilme an. „Leichtere“ Pornografie und Erotikfilme laufen im nächtlichen Fernsehprogramm, härteres Filmmaterial kann über Pay-TV-Sender empfangen werden und wird in speziellen Kinos ausgestrahlt. Sex-Shops bieten eine breite Spanne unterschiedlicher Filme zum Kauf an und Videotheken verfügen meist über eine spezielle Filmabteilung mit einschlägigen Filmen im Sortiment.

Sex 2.0

Die Erfindung des Internets hat die Pornoindustrie revolutioniert. Mit keinem anderem Paid Content lässt sich im Internet so viel Geld erzielen, wie mit Pornografie. Vergangenes Jahr betrug der Anteil von Online-Pornografie rund ein Zehntel des gesamten Umsatzes der E-Commerce-Branche. In keiner anderen Branche sind die Webseiten derartig suchmaschinenoptimiert und benutzerfreundlich aufgebaut. Im Internet zählt Sex zu den am häufigsten gesuchten Begriffen in Suchmaschinen.

Noch nie war es so einfach an nicht-jugendfreie Filme zu gelangen, wie im Zeitalter des Internets. Sex ist per Mausklick jeder Zeit für jeden Volljährigen verfügbar. Zudem bietet das World Wide Web einen entschiedenen Vorteil: die überwiegend männlichen Konsumenten bleiben anonym. Man muss nicht mehr heimlich einen Laden oder eine Videothek betreten und dem Verkäufer schamerfüllt in die Augen sehen, wenn man sich im virtuellen Rotlichtviertel vergnügt. 2006 besuchten weltweit rund 72 Millionen Internet-Nutzer pornografische Websites. Rund 266 Seiten mit nicht jugendfreiem Inhalt gehen laut einer Statistik täglich Online.

Die Verbreitung und Distribution von Pornografie im Internet hat ebenfalls Schattenseiten: Strafbaren Inhalten wie Kinderpornografie bietet das Internet ebenfalls eine Plattform. Die Verbreitung kinderpornografischer Erzeugnisse im Web zieht öffentliche Debatten in der Politik und in den Medien über die Zensur bestimmter Web-Inhalte nach sich. Zu leicht sind Filme mit jugendgefährdendem pornografischen Inhalt zudem im Netz für minderjährige zugänglich. Immer wieder ist in den Schlagzeilen der Medien die Rede von sexsüchtigen Pornokonsumenten. Seit einiger Zeit steht die Pornobranche vor ähnlichen Problemen wie die Musik- und Filmindustrie. Illegale Dowloads und File-sharing stellen eine zunehmende Gefahr für die Branche dar. Videos werden auf kostenlosen Seiten angesehen oder im Freundeskreis verbeitet. Daneben zeichnet sich ein weiterer Trend in der Pornoindustrie ab: Selbstgedrehte Amateuervideos verbreiten sich zunehmend auf einschlägigen Portalen oder werden auf eigens eingerichteten Webseites angeboten.

„Generation Porno“

Video-Portale wie Youtube haben es vorgemacht: Das Internet bietet Privatpersonen zunehmend die Möglichkeit, sich selbst und die eigene Persönlichkeit darzustellen. Jeder, der sich einen eigenen Account zulegt, kann eigene, selbstgedrehte Videos veröffentlichen, die von Usern rund um den Globus angesehen und bewertet werden können. Es zeichnet sich ein allgemeiner Trend ab, dem das Internet den weg geebnet hat: Privates gerät zunehmend in den öffentlichen Raum. Wir veröffentlichen unsere Fotos bei Facebook und Co., nutzen Blogs als virtuelle Tagebücher und chatten mit unseren Freunden und Verwandten über Instant-Messanger. Im Zeitalter des Web 2.0 werden auch Porno-Websites nicht mehr ausschließlich von großen Verlagen betrieben.

Auch immer mehr Amateure bieten ihre selbstgedrehten Pornos kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr im Internet an. Auf diesem Wege wird auch der Nachbar von nebenan zum Pornostar. Einige Low-Buget-Amauere installieren Kameras in ihrer Wohnung und sind rund um die Uhr via Porn Amateur Cam beim Duschen, Umziehen oder Kochen im freizügigen Outfit zu sehen. Über das Für und Wieder derartiger Low-Buget-Produktionen lässt sich diskutieren. Der Unterhaltungswert derartiger Pornos ist groß. Zudem wirken Amateure beim realen Geschlechtsverkehr authentischer, denn sie sind keine Schauspieler und die Handlungen sind nicht gestellt. Viele Zuschauer wissen diesen Unterschied gegenüber professionell gedrehten Pornofilmen zu schätzen. Die Filme sind nicht perfekt – wie das reale Leben.